Samstag, 24. Dezember 2011

Weihnachtsgebet

Und spätestens wenn die Mutter mit einem „So“ das Ende der Kocharbeit anläutet, verstummt alles. Nicht nur dir nervige Musik. Kinder lenken sich nicht mehr ab, um die endlose Zeit zur Bescherung zur überbrücken. Wenn man sich dann am Tisch schüchtern betrachtet, dann erkenne ich auf einmal , fast schon zu spät einen anderen mir sehr nahe stehenden Menschen, nicht nur den Ernährer, die Mutter meiner Kinder, nicht nur Menschen die mich brauchen. Dieser Augenblick dauert immer sehr lange. Man schämt sich für vieles vorher. Ertrunken in der Nacht, die nicht still sein will, sind all die Schranken, die uns trennen, all die Zeitverschwendung, die unser Leben verkürzt. Mit dem Wind der Nacht, nicht ruhig werden will, sind alle Sorgen und auch der mit Enttäuschungen gepflasterter Weg liegt hinter uns. Es ist peinlich, ich bin dem Weinen nahe. Trotzdem leuchten unsere Augen nicht sondern nur die der Kinder.

War es wirklich wert, sich aufzuregen. Habe ich nicht alles wieder kaputtgemacht? Die letzte Chance verpasst? Ich werde verzweifelt, will auch diesen Augenblick beenden, wie schon viele andere früher.

Und plötzlich wie immer unbemerkt kommt Er. Wie immer wenn man ihn als Gast schon aufgegeben hat. Ich kann den Schlaf nicht erzwingen und auch den Atem nicht. Wenn ich schwimmen will, muss ich mich fallen und die treibende Kraft des Wassers wirken lassen. Ich kann auch Ihn wirken lassen, wie gesagt ich kann. Ich will Dich wie ein geheimes Lebenselixier atmen.

Gott – Dein wunderbares wohltuendes Schweigen habe ich nicht verdient. Deine treibende Kraft auch nicht. Treibe uns durch die stürmischen Gewässer des kommenden Jahres auf dem Weg zu Dir. Und solange wir Dich atmen können, schenke uns einen Hauch Deines Friedens.

Sonntag, 20. November 2011

November

November,

das Treibhaus der Gefühle

der Wald versinkt in Stille

das Nebelfeld berührt ihn

wie eine Glocke, die warm hält

Darunter die Sehnsüchte

Wie die Sommerfrüchte

Die müssen noch Wochen reifen

Kälte darf sie nicht streifen.

Montag, 31. Oktober 2011

Montagmorgen

Montagmorgen

Wenn ich aufwache am Montagmorgen,

Fühle mich noch wie gestern geborgen.

Die Kälte ist nur ein schlechter Traum.

Ich stampfe auf dem (noch) warmen Stein.

Ich schmecke den letzten Tropfen Wein.

Ich muss jetzt spülen, waschen, essen.

Will trotzdem gestern leben und vergessen,

wohl endlich muss ich zu glauben wagen

dass die Beine den Traum nicht tragen

und der Kaffee nur heute schmecken

kann. Augen auf, aus der Schrecken!

Samstag, 22. Oktober 2011

Abschied

Jetzt bin ich endlich im Begriff
lange fehlte der letzte schmerzhafte schliff
Beim nächsten Mal umarme dich fester
sehe in dir meine schwester
ich werde fragen warum du so traurig bist
die vergangenheit ist die unsichtbare mauer
sie verbindet nicht auf dauer
den bruder mir dir

Freitag, 30. September 2011

30. September

Lieber Oktober, ich weiß Du bist stark
weil so hell
schaffst dennoch nicht,
die Singvögel zu erwecken
die Nebel
und die Schwermut die bedrohlich wachsende zu vertreiben.
Oder vielleicht deswegen stark weil so standhaft
Nein bleib noch lange, auch wenn es dunkel wird,
der sommer wird zum verlorenen Schatz
den ich alljährlich suchen und vermissen will.

Mittwoch, 3. August 2011

Sommer

Solange ich das Heu riechen kann
ist der Sommer noch da
Das Getreide mag gemäht sein
Solange das dunle Wasser im Teich warm
ist der Sommer noch da
Des Wolkenzählens schäme ich mich nicht, wenn ich berauscht auf der Wiese träume
Aber siehe, sie wandern hinaus nicht wie die Nebel im Tal
Steh auf , es ist Zeit zu gehen
irgendwohin

Sommer 2011

Wieder kurz wie der Atemzug war der Sommer
Noch dauert er an
oder war er gar nicht da
so endlos die lauen Stunden am Mittag flossen
so schmerzhaft abwesend sind sie jetzt

Sonntag, 5. Juni 2011

Der Mai

Der tiefe durchdringender Gesang wird durch den Regen nicht gedämpft. Nich einmal, als die Regengüße noch lauter werden. Es wird getrotzt. Das Leben hat Vorrang.