Mittwoch, 24. Oktober 2012

Novemberbäume

Hört den Novemberbäumen zu
Am Straßenrand, im nebligen Ruh
Stehen, versteinert wie der Riesen Heere
Bestraft für die Flucht vor der feuchten Schwere
Sie macht sie nicht stumm
Nur wir sind dumm
Was muss passieren,
damit wir sie verstehen
Im Nebel tauchen auf knallrote Feuerwehrleute
Auf dem Boden liegt einer, der jetzt wohl bereute
Dass er auch heute sie ignorierte
Auf der Flucht herumirrte
Wie sie einst

Samstag, 6. Oktober 2012

Lieebserklärung

Als ich es flüsterte, schwieg sie noch
Verschlang die Worte wie ein schwarzes Loch
Auf dem Bogen lag ein Käfer auf dem Rücken und fuchtelte mit den Beinen
 sie drehte ihn um , er lief glücklich davon und verschwand zwischen den Steinen
Er war glücklich und sie lächelte seinetwegen
Er blieb ihr das Danke und sie mir die Antwort schuldig

Die Seele - H. von Bingen

Heute kein eigenes Werk. Die kürzlich heiliggesprochene Hildegard von Bingen fasziniert mich seit Jahren.

Unten ein Gedicht von ihr

 

Die Seele

Die Seele ist wie ein Wind,
der über die Kräuter weht,
wie der Tau,
der über die Wiesen träufelt,
wie die Regenluft,
die wachsen macht.

Desgleichen ströme der Mensch
Wohlwollen aus auf alle,
die da Sehnsucht tragen.

Ein Wind sei er,
der den Elenden hilft,
ein Tau,
der die Verlassenen tröstet.

Er sei wie die Regenluft,
die die Ermatteten aufrichtet
und sie mit Liebe erfüllt
wie Hungernde.
Hildegard von Bingen

Dienstag, 2. Oktober 2012

Oktober-Wind

Heute blieb es fast den ganzen Tag finster. Nicht besonders kalt, aber die Sonne schaffte es nicht, die Natur wie im Sommer aufzuhellen. Und am späten Nachmittag haben die Wolken endgültig die Herrschaft übernommen. Ich wurde Zeuge eines erstaunlichen Naturphänomens.

Die Blätter verliessen ihre warmen Hängematten
Und ließen sich im auffrischenden Wind treiben.
War es  ihnen zu kalt?
Wie den Badenden, die von ihren Liegen aufstehen, sobald eine Wolke das Licht verdeckt.
Oder wollten sie nur noch etwas Verrücktes tun?
Einfach sich fallen, sich hieven, treiben, lassen. Das letzte Mal bevor sie am Boden sind
wollen sie die Welt sehen.
 wen auch nur passiv
Zu verlieren haben sie nichts.
Außer der Kälte

Das Erstaunliche dabei ist, dass dieses Spiel immer gleich endet.

Sonntag, 26. August 2012

Der Abend im August

Der Dunstschleier über Getreide
Wie der Geist der Weide
Er ist nicht mehr sommerlich
Er hängt nur und er berauscht nicht
Die Seelen der gefallenen Weizenstangen
Sie bleiben nicht lange
Morgen sind sie nur noch naßer Staub
Gefallenes geruchloses Laub

Sonntag, 19. August 2012

Die Worte vom Kreuz

Heute Nacht träumte ich vom Kreuz. Zum ersten Mal im Leben. Ein seltsamer Traum, den ich jedoch, was  noch seltener ist, sofort nach dem Aufwachen auf  die vielen Sendungen und Gottesdienstbesuche der Ostertage zurückführte. Ein Selbstbetrug, eine Flucht, vor dem Zwang, sich der tieferen Bedeutung dieser Bilder zu stellen. Ein Freund fragte mich darauf, wie oft ich schon im Leben einen ähnlichen Traum gehabt hätte. Natürlich noch nie. Dabei durchlebte ich verschiedene Phasen, von denen manche von einer oft sehr naiven Religiosität übererfüllt waren.  Nein, ein Kreuz sah ich noch nie, allen Geheimwünschen zum Trotz.
Ich war in einem Getümmel, eine Menschenmenge, die entweder auf das Spielende wartete oder eine andere Veranstaltung sollte gerade beginnen. Genauer weiß ich nicht. Plötzlich sah ich ein Kreuz vor mir, es war nicht groß, vielleicht etwas größer als ich. Das Kreuz wurde offenbar von einer anderen Person getragen, die offensichtlich mit der Menge unterwegs war. Ich empfand eine Mischung aus Neugier und Freunde. Die Person vor dem Kreuz drehte sich um. Sie war mir unbekannt, dennoch entstand sofort ein Vertrauen zwischen uns. Die Person redete mit einer angenehmen Stimme mit mir.  Dummerweise kann ich mich jetzt nicht mehr an den Inhalt dieser Worte erinnern. Sie wirkten eher beruhigend, sonst aber nicht von Belang. Erstaunlicherweise fielen dieses Gespräch und gar die Person den anderen in der Menge nicht auf.
Ein schöner Traum, eine der wenigen, an welche ich mich nach dem Aufwachen erinnern kann.
Nur die Worte, die zu mir gesagt wurden, die hätte ich so gerne behalten.  

Montag, 13. August 2012

Augusttage


Die Augusttage erinnern mich an einen Mann von Anfang 50. Stark wie die Mittagssonne und trotzdem ermüdet er schnell, wie der Tag abends kühl wird. Das heiße Temperament ist  für die Umgebung erträglich. Nicht so ungezügelt, wie der Jüngling Juli.
Das Ende ist noch zu weit, um zu trauern, und zu nah zum Träumen. Anders als im Mai sind nun die schönen Tage greifbar und sie vergehen.  Ich neige dazu, im üppigen Grün nach dem Gelben zu suchen. Gestern zeigte mir meine Frau die ersten herunterfallenden Blätter. Ich staunte unehrlich, da ich sie schon vorher gesehen hatte, die ersten Gelben.

Montag, 2. Juli 2012

Muttertag

Vorbei ist die Zeit
die Sorge war  von mir weit

nach Deiner Stimme sehnte mein Herz
ich hörte sie nicht- o Schmerz!

Vorbei ist die Zeit als der Sommer unendlich war
und du warst immer da.

Längst hast Du das Haus verlassen
Lange konnte ich es nicht fassen.

Dann fand ich Deine Spuren im Fundament
Die bleiben dort bis zum End

Für sie
danke ich Dir!

Sonntag, 4. März 2012

Frühlingsgefühle

Die Energie wird dich tragen
jetzt darfst du vieles wagen
Das morgendliche Zwitschern wird aufhören
das wird dich nicht stören
die Energie wird weiter tragen
du darfst ihr nur nicht entsagen
lass dich zu dem unsichtbaren Horizont treiben
wie ein Liebespaar auf den Weiden
glücklich und unsicher zugleich
setzen die Füsse ziellos weich
getragen durch die Träume
berauscht wie mit Wein
geniesse den ersten Sonnenschein.